Geschichte der CAJ

Die 40er Jahre

Die Ideen von Cardijn und einer Bewegung der christlichen Arbeiterjugend kommen 1945 durch kriegsgefangene französische und belgische CAJ’ler nach Deutschland. Im Januar 1947 reisen 120 Delegierte aus 20 Großstädten durch die Besatzungszonen nach Ludwigshafen. Dort gründen sie den Nationalverband der CAJ Deutschland. Das Hauptsekretariat wird in Essen eingerichtet.

Die 50er Jahre

Kardinal Frings, der die CAJ von Anfang an gefördert hat, weiht in Essen die Heimstatt der CAJ ein. Es ist die Schule der CAJ. Junge Arbeiter wohnen und lernen in der Hüttmannstraße. Sie nehmen für ein Jahr eine Arbeit auf, bauen in Betrieben und Pfarreien mit Essener CAJ’lern die Bewegung aus. Sie setzen sich mit der Geschichte der Arbeiterbewegung auseinander studieren Arbeits- und Sozialrecht, diskutieren gesellschaftliche Probleme. Viele von ihnen haben später innerhalb der CAJ und der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) sowie in Gewerkschaften Verantwortung übernommen.

Anfang der 50er Jahre formiert sich auch der eigenständige Nationalverband - Frauenjugend der CAJ. Die Zeichen sind ebenso Kreuz und Ehre. Allerdings ist das Banner weiß während das der Mannesjugend schwarz ist.

Wenn man mit ehemaligen CAJ’lerInnen redet, dann können sie sich vor allem an eines erinnern, nämlich an die Romwallfahrt 1957. 2.000 CAJ’lerInnen aus Deutschland nehmen daran teil und treffen dort die Arbeiterjugend aus der ganzen Welt. Im Anschluss an dieses Treffen wird die internationale CAJ mit über 80 Ländern gegründet.

Die 60er Jahre

Ein Höhepunkt in der Entwicklung der CAJ ist der erste Kongress in Essen. Im Vorfeld fand eine Fragebogenaktion statt. Die CAJ gewinnt ein klares Bild zur Situation der jungen Arbeiter im Arbeitsleben, in der Freizeit, in der Bundeswehr. Ebenso werden die Probleme der ausländischen Arbeiter untersucht. 300 Delegierte entwickeln aufgrund der Ergebnisse einen Aktionsplan. In der Abschlusskundgebung des Kongresses sind über 30.000 CAJ’lerinnen im Grugastadion versammelt. Den Festgottesdienst feiert Joseph Kardinal Cardijn.

Bei der allgemeinen Bildungseuphorie in der BRD hat man die berufliche Bildung beiseite geschoben. Immer mehr setzt sich der Gedanke durch, dass nur der gebildet ist, der Abitur und Studium hinter sich hat. Die Arbeiterjugend fühlt sich mit Recht im Stich gelassen. So treffen sich 1969 über 30.000 CAJ’lerInnen in Bonn zu einer Demonstration.

Die 70er Jahre

Die Berufsnot vieler Jugendlicher wird immer bedrohlicher. Jugendarbeitslosigkeit und Lehrstellenmangel greifen um sich mit ihren verheerenden Folgen. Die CAJ demonstriert in Köln, dem Sitz der Arbeitgeberverbände, gegen den Lehrstellenabbau und für eine Verbesserung und Gleichstellung der beruflichen Bildung mit der Allgemeinbildung.

Nach der Verabschiedung einer Grundsatzerklärung der CAJ auf dem Weltrat 1975 in Linz entbrennt in der deutschen Öffentlichkeit eine Diskussion darüber. Der CAJ wird jetzt plötzlich durch eine Pressekampagne vorgeworfen, dass sie den Klassenkampf wolle. Und das, obwohl Monate vorher niemand auf sie gehört hatte. Innerhalb der CAJ gibt es zu dieser Zeit große inhaltliche Auseinandersetzungen über den zukünftigen Weg.

Bei dem 1. Nationalausschuss in Recklinghausen unter dem Motto: „Kritisch sein verpflichtet“ wird 1976 das erste Selbstverständnis verabschiedet. Dies ist eine Interpretation der internationalen Grundsatzerklärung, auf die deutsche Situation bezogen.

Beim 2. Nationalausschuss befürwortet die CAJ alle Aktivitäten, die zu einer einzigen Einheitsgewerkschaft - dem DGB - führen.

Die 80er Jahre

Die CAJ richtet 1981 den Freigestelltenkurs für neue Hauptamtliche in Essen in der Hüttmannstrasse aus. Der Kurs sieht ein Betriebs- und Sekretariatspraktikum, sowie einen Studienteil vor. Dort stehen im Mittelpunkt der Auseinandersetzung die gesellschaftlichen Einflüsse, die die Zukunft der Arbeiterjugend, die Geschichte der Arbeiterbewegung und die katholische Soziallehre.

Beim 3. Nationalausschuss 1984 in Bonn wird ein Positionspapier zur Arbeitslosigkeit verabschiedet. Dies fordert unter anderem die Überwindung des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Es beinhaltet auch die Durchführung eines Kreuzweges der Arbeiterjugend. Mit dem Kreuzweg möchte die CAJ deutlich zeigen, dass auch heute die Leidenden und Verfolgten den Weg Jesu gehen. Dass sein Tod nicht einfach nur eine alte Geschichte ist. Dass auch Jesus gegen Unterdrückung gekämpft und mit Menschen gestritten hat. Die CAJ will vor allem die politisch und wirtschaftlich Mächtigen aufrütteln. Ihre Handlungen haben zerstörerische Auswirkungen auf das Leben der Arbeiterjugendlichen.

In der Deutschen CAJ gibt es große inhaltliche Auseinandersetzungen über den zukünftigen Weg des Verbandes. Nach langen Diskussionen wird das Selbstverständnis nicht 1987, sondern erst 1989 bei der Bundesversammlung in der Georgsmarienhütte verabschiedet.

Die 90er Jahre

Die CAJ arbeitet an der Entwicklung ihrer eigenen Zukunftsperspektive. Sie beteiligt sich an der KAB/CAJ Verbandsstudie 2000.

Aufgrund der schlechten Arbeitsmarktsituation organisieren CAJ’lerinnen eine Kampagne gegen Jugendarbeitslosigkeit. Unter dem Motto: „Jugendarbeitslosigkeit – ein Skandal“ finden vielfältige Aktionen statt. Mit einem Forderungskatalog setzt die CAJ sich für bessere Zukunftsperspektiven ein.

Ende der 90er Jahre beginnt in der CAJ die Auseinandersetzung mit der „Zukunft der Arbeit“.

Heute: Das neue Jahrtausend

Unter dem Motto: „ Arbeit ist das halbe Leben“ findet der Bundeskongress in Duisburg statt. Die CAJ will die Krise der Arbeitsgesellschaft an den Wurzeln packen. Sie setzt sich mit zukunftsfähiger Einkommensverteilung, lebenswertem Umgang mit der Zeit, sinnvollen Tätigkeiten und Formen der (Erwerbs-)Arbeit auseinander.

Unter dem Motto: „Wir können auch anderes - Zukunft im Verband“ wird das Leitbild 2002 und eine neue Satzung 2003 für die CAJ verabschiedet. In dem Leitbild reagiert die CAJ auf die gesellschaftlichen Veränderungen der Arbeitswelt. In der Strukturkrise der Erwerbsarbeitsgesellschaft sieht die CAJ neue Herausforderungen für ihr Engagement. Jugendbischof Dr. Franz-Josef Bode begrüßte die Initiative der CAJ für ein neues Leitbild. Gerade jetzt sei es wichtig, dass junge Christen profiliert aus dem Geist des Evangeliums Position beziehen.

Beim Weltjugendtag 2005 in Köln macht die CAJ mit ihrem Segel der Gerechtigkeit unter dem Motto „Just work-Just God“ auf die ungerechten Arbeitsverhältnisse weltweit aufmerksam.

Das Schwerpunktthema der CAJ 2006 untersucht die Situation von Jugendlichen in den sogenannten „Warteschleife".